Ursula Vehrigs – Einordnung anlässlich der Ausstellung in Mertendorf am 16.05.2015

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Eine Malerin aus Mertendorf! Was sagen uns ihre Bilder. Was ist das überhaupt für ein Stil? Welchen Rang hat diese Künstlerin, hat sie überhaupt einen ? Wie kann man ihre Arbeit begreifen, in dem man sie einordnet, aber wie macht man das überhaupt?

Nur die wenigsten Menschen beschäftigen sich näher und intensiver mit der
Bildenden Kunst und deren Geschichte. Für sie zählt allein die spontan empfundene Wahrnehmung vor einem Bild: ‚das gefällt mir, hier gefallen mir die Farben, das ist mir zu dunkel, das würde ich mir in mein Wohnzimmer hängen, den Abgebildeten kenne Ich, das Bild sieht ihm ja wirklich ähnlich ’.

Soweit der Wahrnehmungsprozeß der meisten. Ja aber die Fragen: Ist das denn nun wirklich ein gutes Bild, was für eine Aussagekraft haben die Bilder der betr. Künstlerin und zwar in Gänze und nicht nur diejenigen, die man gewöhnlich in einer Ausstellung sieht? Diese Fragen sind schon schwieriger zu beantworten und es bedarf viel Übung im Sehen und die Kenntnis vieler anderer Bilder von anderen Künstlern, insbesondere derjenigen, die zur gleichen Zeit lebten und arbeiteten.

Was den Stil der meisten Arbeiten von Ursula Vehrigs angeht, entspricht er im Großen und Ganzen dem Stilgemenge der nachexpressionistischen Generation der zwischen 1890 und 1905 geborenen Künstlern. Man übernimmt das farblich Expressive der Expressionisten aber nicht ihre Formübertreibungen. So trifft für die meisten von Ihnen Der Begriff des Expressiven Realismus zu. So ist der Stil bei einigen unter ihnen, so auch der von Ursula Vehrigs, auch vom späten Sezessionsstil eines Lovis Corinth beeinflusst.

Was ihre Einordnung und Bestimmung ihres Ranges angeht, bedürfte es einer genaueren Untersuchung und eines Vergleiches mit Künstlerinnen ihres Alters, die insbesondere in den Zwanziger Jahren sozusagen Kolleginnen von ihr waren. Ich denke da an Charlotte Berend-Corinth, Annot Jacobi, Jeanne Mammen, Nachbarin am Kudamm und einige andere. Diese Untersuchung steht noch aus.

Was den Umfang und die Vielfalt eines Werkes und damit unter Umständen auch die Wirkungen auf andere und jüngere Künstler angeht, so ist es im Fall von Ursula Vehrigs so wie bei vielen anderen ihrer Generation, dass sie auf Grund von Kriegseinflüssen, Bombardierung des Ateliers in Berlin, dann Beschlagnahmung von einem großen Konvolut durch die DDR-Grenzbehörden und Veruntreuungen auf ihrem Grundstück nach ihrem Tode große Verluste an ihrem Werk hat hinnehmen müssen.

Aber jenseits der Trauer darüber, denke ich, dass die beiden zuletzt gestellten Fragen nicht die entscheidenden Fragen sein müssen.  Vielmehr denke ich, dass die entscheidende Frage ist, welche Inspiration war und ist das Werk von Ursula Vehrigs trotz seiner Verluste,  für die Nachwelt und ihre Menschen! Natürlich muß ich in diesem Zusammenhang mich selbst zu allererst nennen. Ursula Vehrigs hat mich durch ihre Schwester und ihre Arbeiten zur Kunst gebracht und mich motiviert sie zu bewahren. Sollte es wie geplant gelingen auf ihrem Grundstück eine Gedenkstätte Ursula Vehrigs zu installieren und in einem weiteren Schritt Gebäude und Grundstück zu einem Kunsthof und einer kulturellen Veranstaltungs-und Begegnungsstätte auszubauen,
dann hätte sich doch auch ihr Arbeiten und Ausharren auf dem Grundstück bis zu ihrem Tode, keine Flucht nach dem Westen, auf wundersame Weise ausgezahlt und ihre Wirkung auf die Nachwelt könnte  nicht sichtbarer sein, ihre Bedeutung als Künstlerin und Mensch würde immens aufgewertet werden, auch ihre Bedeutung für ihre Heimatgemeinde Mertendorf!
Möge es gelingen. Vielen Dank für eine Unterstützung!!!!

Für weitere Infomationen schauen sie bitte auf der Webseite www.vehrigs.de nach.

Rudolf Jankuhn   Berlin der 24.3.2015

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Über Rudolf Jankuhn

Man kann Rudolf Jankuhn gut und gerne als Großstadtmenschen bezeichnen, als Großstadtneurotiker womöglich, der die Reibung sucht und braucht, ebenso wie die Ruhe, aber eben noch mehr die Anbindung an andere denkende, suchende, schaffende Geister, den Austausch, die gegenseitige Inspiration. Als Künstler ist Rudolf Jankuhn Autodidakt. Sein Weg zur Malerei führte über das Studium der Kunstgeschichte.

Ein fast manischer Wissensdurst, der weit über den Bereich der Bildenden Kunst hinausgeht, ist bis heute kennzeichnend für den Menschen und Künstler Rudolf Jankuhn. weiterlesen →